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Gewaltfreie Kommunikation
(nach Marshall B. Rosenberg)
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Zu den hilfreichsten und unmittelbar einleuchtenden Strategien für
konstruktives Kommunizieren gehört nach meiner Erfahrung die von
Marshall B. Rosenberg schon vor rund 30 Jahren beschriebene „Gewaltfreie
Kommunikation“ (GFK). Die in ihren Prinzipien sehr gut verständliche
Technik bietet sich im Sinne eines Lösungsmodells speziell für
„schwierige“ Situationen an, in denen sich die Beteiligten „in die Wolle
kriegen“, das Gespräch sich im Kreise dreht und lediglich die Emotionen
aufheizt und ein Konsens unerreichbar erscheint. Die GFK ist darüber
hinaus ein ausgezeichnetes Mittel der Prävention, weil ihre Anwendung
destruktiven und verletzenden Auseinandersetzungen vorbeugen kann. Für
„Plaudereien“ und den Austausch reiner Informationen ist sie dagegen
weniger bedeutsam. Eine außergewöhnliche Stärke der GFK liegt darin, uns
zu bewertungsfreien gegenseitigen Beschreibungen unseres Verhaltens
einzuladen, unser Augenmerk verstärkt auf unsere unerfüllten Bedürfnisse
zu lenken und zu deren Erfüllung beizutragen. Dieser Ansatz hat in einer
Zeit, die scheinbar „cooles“ Verhalten wertschätzt, besondere
Bedeutung.
In seinem Modell der GFK befürwortet
Rosenberg ein vierstufiges Vorgehen nach folgendem Schema:
-
Beschreibe Situationen und das Verhalten Anderer vorurteilslos (!!!).
Vermeide es, den anderen oder die Situation zu bewerten, insbesondere
zu „pathologisieren“ und zu „diagnostizieren“. Stülpe dem Anderen also
keine Krankheitsdiagnose über. Beispiele: „Du bist ein Versager!“
„Immer kommst du unpünktlich.“ „Du hast ja keine Ahnung.“ Solche
Aussagen „vergewaltigen“ den anderen und sind daher alles andere als
„GFK“.
-
Mache
dir und dem anderen klar, welche Gefühle gerade in dir aktiv sind
-
Finde
heraus, welches deiner Bedürfnisse gerade unerfüllt ist und dich
deshalb zu den unter (1) beschriebenen „Sprüchen“ und den unter (2)
skizzierten emotionalen Reaktionen verleitet. Dabei spielen nicht nur
die Grundbedürfnisse eine Rolle (wie die Bedürfnisse nach
Selbstwerterhöhung, Beziehung, Lust, Verständnis und Kontrolle)
sondern auch Bedürfnisse nach Nahrung und Flüssigkeit oder nach
Zuwendung, Berührung, Einfühlung usw. Verdeutliche dir, dass das
Nichterfüllen deiner Bedürfnisse vermutlich dafür verantwortlich ist,
dass die unter (2) angesprochen Gefühle hervorgerufen werden, die dich
dann zu den unter (1) beschriebenen Sprüchen verleiten (offenbar unter
der Annahme, dass solche Sprüche helfen, deine Bedürfnisse doch noch
erfüllen können). Sieh ein, dass eine derartige Strategie die
Realisierung deiner Bedürfnisse eher noch unwahrscheinlicher machen
wird.
-
Formuliere einen an den anderen gerichteten Wunsch, in dem du diesen
bittest, dich in einer von dir möglichst unmissverständlich
beschriebenen Weise bei der Erfüllung des jeweiligen Bedürfnisses zu
unterstützen. Achte dabei darauf, dass es sich um einen echten Wunsch
und nicht um eine maskierte Forderung (oder gar einen Befehl) handelt.
Dass es sich um einen echten Wunsch handelt, erkennst du daran, dass
ein „nein“ deines Gegenübers eure Beziehung nicht belastet und dich
nicht zu heftigen Reaktionen verleitet („Kannst du mir nicht
wenigstens einmal einen Gefallen erweisen!“), sondern zu Verständnis
und Akzeptanz für das „nein“ motiviert.
Wer sich intensiver mit GFK befasst hat,
wird über kurz oder lang nicht nur seine Kommunikationskultur
verbessern, sondern auch bedürfnisorientierter leben und auf
gegenseitige Unterstützung bei der Erfüllung von Bedürfnissen achten.
Letztendlich werden dadurch oft sog. win-win-Ergebnisse möglich, bei
denen alle Beteiligten mit volleren Taschen die Verhandlung verlassen,
als sie in diese hineingingen. .
Literaturtipps:
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Sears, Melanie: Gewaltfreie Kommunikation
im Gesundheitswesen. Mit einem Beitrag zum deutschen Gesundheitswesen
von Al Weckert. Junfermannsche Verlagsbuchhandlung 2012. ISBN
978-3-87387-784-9. 137 Seiten. Euro (D) 14,90
Zum Buch auf der Verlagsseite |

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Rosenberg, Marshall
B.: Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens.
Gestalten Sie Ihr Leben, Ihre Beziehungen und Ihre Welt in
Übereinstimmung mit Ihren Werten. 7. Auflage 2007. 240 Seiten. ISBN 13:
978-3-87387-454-1. Euro 19,50
Zur Verlagsseite
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Holler, Ingrid:
Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation. Abwechslungsreiche Übungen für
Selbststudium, Seminare und Übungsgruppen. Junfermann 4. und
überarbeitete Neuauflage 2008. ISBN 978-3-87387-538-8. 222 Seiten. Euro
19,95
Zur Verlagsseite |
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Leu, Lucy:
Gewaltfreie Kommunikation. Das 13-Wochen-Übungsprogramm. Ein praktischer
Leitfaden für Übungsgruppen, Selbststudium und GFK-Kurse. Junfermann
2005. ISBN 3-87387-577-2. Euro 19,90
Zur Verlagsseite
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Lasater,
Judith Hanson / Lasater Ike K.: Weil Worte wirken... Gewaltfreie
Kommunikation praktisch anwenden. Junfermann 2011. ISBN
978-3-87387-771-9. 112 Seiten. Euro 12,90
Beim Verlag ansehen und ggf. bestellen |

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Hahn, Britta:
Mama, warum schreist du so laut. Wut in Gelassenheit verwandeln.
Erfahrungen mit der GFK bei unwillkürlichem Handeln und Fühlen.
Junfermann 2010. ISBN 978-3-87378-766-5. 140 Seiten. Euro 19,90
Beim Verlag ansehen und ggf. bestellen |

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