Praxis für Psychosomatische Medizin u. Psychotherapie, Coaching, Mediation u. Prävention
Dr. Dr. med. Herbert Mück (51061 Köln)

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Gewaltfreie Kommunikation
(nach Marshall B. Rosenberg)
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Foto: www.pixelio.de


Zu den hilfreichsten und unmittelbar einleuchtenden Strategien für konstruktives Kommunizieren gehört nach meiner Erfahrung die von Marshall B. Rosenberg schon vor rund 30 Jahren beschriebene „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK). Die in ihren Prinzipien sehr gut verständliche Technik bietet sich im Sinne eines Lösungsmodells speziell für „schwierige“ Situationen an, in denen sich die Beteiligten „in die Wolle kriegen“, das Gespräch sich im Kreise dreht und lediglich die Emotionen aufheizt und ein Konsens unerreichbar erscheint. Die GFK ist darüber hinaus ein ausgezeichnetes Mittel der Prävention, weil ihre Anwendung destruktiven und verletzenden Auseinandersetzungen vorbeugen kann. Für „Plaudereien“ und den Austausch reiner Informationen ist sie dagegen weniger bedeutsam. Eine außergewöhnliche Stärke der GFK liegt darin, uns zu bewertungsfreien gegenseitigen Beschreibungen unseres Verhaltens einzuladen, unser Augenmerk verstärkt auf unsere unerfüllten Bedürfnisse zu lenken und zu deren Erfüllung beizutragen. Dieser Ansatz hat in einer Zeit, die scheinbar  „cooles“ Verhalten wertschätzt, besondere Bedeutung.

In seinem Modell der GFK befürwortet Rosenberg ein vierstufiges Vorgehen nach folgendem Schema:

  1. Beschreibe Situationen und das Verhalten Anderer vorurteilslos (!!!). Vermeide es, den anderen oder die Situation zu bewerten, insbesondere zu „pathologisieren“ und zu „diagnostizieren“. Stülpe dem Anderen also keine Krankheitsdiagnose über. Beispiele: „Du bist ein Versager!“ „Immer kommst du unpünktlich.“ „Du hast ja keine Ahnung.“ Solche Aussagen „vergewaltigen“ den anderen und sind daher alles andere als „GFK“.
  2. Mache dir und dem anderen klar, welche Gefühle gerade in dir aktiv sind
  3. Finde heraus, welches deiner Bedürfnisse gerade unerfüllt ist und dich deshalb zu den unter (1) beschriebenen „Sprüchen“ und den unter (2) skizzierten emotionalen Reaktionen verleitet. Dabei spielen nicht nur die Grundbedürfnisse eine Rolle (wie die Bedürfnisse nach Selbstwerterhöhung, Beziehung, Lust, Verständnis und Kontrolle) sondern auch Bedürfnisse nach Nahrung und Flüssigkeit oder nach Zuwendung, Berührung, Einfühlung usw. Verdeutliche dir,  dass das Nichterfüllen deiner Bedürfnisse vermutlich dafür verantwortlich ist, dass die unter (2) angesprochen Gefühle hervorgerufen werden, die dich dann zu den unter (1) beschriebenen Sprüchen verleiten (offenbar unter der Annahme, dass solche Sprüche helfen, deine Bedürfnisse doch noch erfüllen können). Sieh ein, dass eine derartige Strategie die Realisierung deiner Bedürfnisse eher noch unwahrscheinlicher machen wird.
  4. Formuliere einen an den anderen gerichteten Wunsch, in dem du diesen bittest, dich in einer von dir möglichst unmissverständlich beschriebenen Weise bei der Erfüllung des jeweiligen Bedürfnisses zu unterstützen. Achte dabei darauf, dass es sich um einen echten Wunsch und nicht um eine maskierte Forderung (oder gar einen Befehl) handelt. Dass es sich um einen echten Wunsch handelt, erkennst du daran, dass ein „nein“ deines Gegenübers eure Beziehung nicht belastet und dich nicht zu heftigen Reaktionen  verleitet („Kannst du mir nicht wenigstens einmal einen Gefallen erweisen!“), sondern zu Verständnis und Akzeptanz für das „nein“ motiviert.

Wer sich intensiver mit GFK befasst hat, wird über kurz oder lang nicht nur seine Kommunikationskultur verbessern, sondern auch bedürfnisorientierter leben und auf gegenseitige Unterstützung bei der Erfüllung von Bedürfnissen achten. Letztendlich werden dadurch oft sog. win-win-Ergebnisse möglich, bei denen alle Beteiligten mit volleren Taschen die Verhandlung verlassen, als sie in diese hineingingen. .

Literaturtipps:
 

Sears, Melanie: Gewaltfreie Kommunikation im Gesundheitswesen. Mit einem Beitrag zum deutschen Gesundheitswesen von Al Weckert. Junfermannsche Verlagsbuchhandlung 2012. ISBN 978-3-87387-784-9. 137 Seiten. Euro (D) 14,90

Zum Buch auf der Verlagsseite
Gewaltfreie Kommunikation im Gesundheitswesen
 

Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Gestalten Sie Ihr Leben, Ihre Beziehungen und Ihre Welt in Übereinstimmung mit Ihren Werten. 7. Auflage 2007. 240 Seiten. ISBN 13: 978-3-87387-454-1. Euro 19,50

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Gewaltfreie Kommunikation


Holler, Ingrid: Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation. Abwechslungsreiche Übungen für Selbststudium, Seminare und Übungsgruppen. Junfermann 4. und überarbeitete Neuauflage 2008. ISBN 978-3-87387-538-8. 222 Seiten. Euro 19,95

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Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation


Leu, Lucy: Gewaltfreie Kommunikation. Das 13-Wochen-Übungsprogramm. Ein praktischer Leitfaden für Übungsgruppen, Selbststudium und GFK-Kurse. Junfermann 2005. ISBN 3-87387-577-2. Euro 19,90

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Lasater, Judith Hanson / Lasater Ike K.: Weil Worte wirken... Gewaltfreie Kommunikation praktisch anwenden. Junfermann 2011. ISBN 978-3-87387-771-9. 112 Seiten. Euro 12,90

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Weil Worte wirken ...
 

Hahn, Britta: Mama, warum schreist du so laut. Wut in Gelassenheit verwandeln. Erfahrungen mit der GFK bei unwillkürlichem Handeln und Fühlen. Junfermann 2010. ISBN 978-3-87378-766-5. 140 Seiten. Euro 19,90

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Mama, was schreist du so laut?