Seit einigen Jahren nutze und
entwickle ich Möglichkeiten, mit Hilfe des Internets insbesondere bei Krisen rasch und
effektiv zu intervenieren (vgl. z. B.
das Online-Therapie-Tagebuch). Neuen Patienten biete ich schon im
Vorfeld an, sich mit Hilfe meines online abrufbaren "Lebensfragebogens" (pdf-Datei!)
auf unser erstes Gespräch vorzubereiten und dabei bereits erste neue
Sichtweisen zu entwickeln. Da es bis zum Erstgespräch mitunter einige
Wochen dauert, lässt sich durch diesen Ansatz die Wartezeit konstruktiv
nutzen. Sobald mir der Fragebogen vorliegt und ich ihn studiert habe,
bemühe ich mich, per E-Mail vertiefende Frage zu stellen. Diese werden im
allgemeinen gern und rasch beantwortet. Auf diese Weise kommt schon im
Vorfeld des ersten Treffens ein "therapeutischer Prozess" in Gang, der von
vielen Patienten dankbar aufgegriffen und im Nachhinein sehr geschätzt
wird. Beim ersten realen Treffen besteht fast durchweg schon eine
Vertrauensgrundlage. Sie ermöglicht es, schon beim ersten Life-Kontakt
sehr persönliche Themen aufzugreifen, durchaus "ernüchternde"
Rückmeldungen zu geben und bereits sehr konkrete Behandlungsvereinbarungen
zu treffen.
Die Kombination von "persönlicher
Begegnung" und "schriftlichem Austausch" endet bei meinen Behandlungen
nicht mit dem "Erstgespräch". Nach jeder Sitzung ist der Patient
eingeladen, ein schriftliches
Sitzungsfeedback zu geben und bei Bedarf "Erfolgsmeldungen",
"Berichte" oder
"erledigte Hausaufgaben" per E-Mail einzuschicken (auf die es dann meist
innerhalb von 24 Stunden eine "Reaktion" gibt). Dieses Vorgehen gestaltet
die "therapeutische Beziehung" sehr interaktiv und lebendig. Es sorgt
dafür, dass der "therapeutische Prozess" auch bei größeren Sitzungsabständen
dynamisch voranschreitet.
Kriseninterventionen der beschriebenen Art
"funktionieren" sicherlich nicht zuletzt deswegen, weil sie den
Hilfesuchenden rasch eine "Beziehung" anbieten, in der sie sich
verstanden, begleitet und getragen fühlen (Beispiele
aus entsprechenden E-Mails bitte anklicken). Leider ist unser
Gesundheitssystem bis heute nicht für solche "Kombinationstherapien"
aufgeschlossen. Weder gibt es dazu wissenschaftliche Stellungnahmen noch
existieren Gebührenordnungen, die entsprechende Leistungen abrechnen
lassen. Selbst in offiziellen Therapieanträgen gegenüber Krankenkassen und
Versicherungen kann man das Konzept nur "mit Risiko" vertreten, da es
nicht den "klassischen Standards" entspricht und daher
"ablehnungsgefährdet" ist. Mit diesem Beitrag soll eine weitere Bresche
für eine internetgestützte Psychotherapie in Deutschland geschlagen
werden. In den USA scheint die "E-Mail-Konsultation" schon eine
Selbstverständlichkeit zu sein (bei Interesse, diesen Link anklicken).
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