Es hat mich sehr viel Kraft gekostet, einen
Psychotherapeuten aufzusuchen. Vielleicht deshalb, weil ich gewohnt war,
immer Erfolg zu haben und ich es als Versagen gesehen habe, dass ich
alleine nicht weiter kam. Mein Leben war von außen betrachtet perfekt
und von Glück gesegnet, doch dahinter gab es Lügen und Verstrickungen
und Schuldgefühle, aus denen ich mich alleine nicht mehr befreien
konnte.
Ich war unehrlich anderen gegenüber und auch gegen
mich selbst. Ich habe seelisch und körperlich gespürt, dss es so nicht
weiter ging.
Ratschläge und Hilfe von Freunden oder der Familie
habe ich nicht befolgt oder sie später auch erst gar nicht mehr
eingeholt. Ich habe mich niemandem mehr anvertrauen können. Das bin ich:
ich bin jung, beruflich erfolgreich, gesund, hübsch. Für Außenstehende
waren Probleme nicht sichtbar.
Während der Behandlung habe ich schnell gemerkt,
dass ich Vertrauen fassen kann. Es ist mir immens schwer gefallen, mein
Leben zu offenbaren, aber ich habe bereits nach der ersten Sitzung Dinge
in meinem Leben geändert, von denen ich nie gedacht habe, daß sie derart
viel bewegen. Ich habe gelernt aufrichtiger zu sein und vor allem auch,
auf mich selbst zu vertrauen. Die Beziehung zu meinen Mitmenschen und zu
mir selbst hat sich grundlegend verändert. Besonders wichtig ist mir das
enge Verhältnis zu meinen Eltern.
Ich kann nicht sagen, dass sich die Probleme
unbedingt minimiert haben, aber ich habe einen klareren Blick für das
Wesentliche erlernt und bin, wie ich glaube, nun fast immer in der Lage,
mir selbst ein guter Berater zu sein. Ich habe viele Einblicke gewinnen
dürfen, in mich wie in meine Mitmenschen und sehe die Welt mit anderen
Augen - vor allen nicht immer nur mit meinen. Ich kann darauf vertrauen,
mir selber zu helfen und nicht die Augen zu verschließen. Das Gute ist,
dass ich heute, selbst nach Abschluss der Behandlung, ganz oft neben mir
stehe und mein Verhalten beobachte und genau weiß, wie mein Therapeut
die Situation bewertet hätte und was sein Ratschlag gewesen wäre. Also
bin ich dankbar, dass ich in mir selber einen guten Ratgeber finde.